„Romantische Oper in drei Aufzügen“ nannte Richard Wagner seinen „Lohengrin“, und man hat den Eindruck in der noch jungen Leipziger Inszenierung von Steffen Piontek,die im März wieder aufgenommen wurde, als ginge es ihm um eine exemplarische Darstellung der romantischen Dimensionen dieses Werkes.
...Das ungewöhnliche und heutzutage ungewohnte Konzept dieser Inszenierung stand und fiel jedoch mit den guten bis hervorragenden Leistungen der drei Protagonisten Stefan Vinke als Lohengrin, MARION AMMANN als Elsa und Lioba Braun in der Rolle der Ortrud.
Es sieht ganz so aus, dass Stefan Vinke, Mitglied des Leipziger Ensembles, sich mit seinen erst 40 Jahren zu einem bedeutenden Wagner-Tenor entwickelt. Gegenüber seinem Siegfried im Carsen- „Ring“ an der Kölner Oper im März 2006 hat er sich in Diktion und Phrasierung stark verbessert und überzeugt auch durch eine gute Intonation, z.B. bei „Heil dir, Elsa! Nun lass vor Gott uns gehen!“ Vinke hat die für den Lohengrin wünschenswerte tenorale Strahlkraft, die immer wieder auch von schönstem Legato begleitet wird - so in einer betörenden „Taube“ der Gralserzählung und beim finalen Abgesang an den Schwan. Hier und da schöpfte er die letzten Dimensionen der Höhen der Partie noch nicht ganz aus - aber es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch das gelingen wird.Darstellerisch bot Vinke mit der jugendlichen
Marion Ammann ein einnehmendes und glaubwürdiges Paar. Sie bestach vor Anfang an mit einer akzentuierten - vermutlich selbst gestalteten - Personenregie und belebte so den 1. Aufzug auf angenehme Weise. Ihr klangvoller Sopran verleiht jeder Note der Elsa Farbe und Ausdruck, die Höhen gelingen problemlos. Dazu kommt ein differenziertes Mienenspiel und eine Authentizität in der Darstellung, die ihren Höhepunkt in der dramatischen Auseinandersetzung mit Lohengrin im „Brautgemach" erreicht.
Diese hat der Bühnenbildner auf einzigartige Weise gelöst und somit die nur allzu oft an
Kitsch grenzende Optik des Ehebettes vermieden. Er zeigt auf einem Paravant ein
herrschaftliches Schlafzimmer im Empirestil, welches in der Mitte langsam durch einen
gleissenden Lichtbalken getrennt wird, in dem sich die Auseinandersetzung von Lohengrin und Elsa bis zum Fall Telramunds abspielt… Diese virtuelle Gestaltung der Brautgemachszene gehört sicher zu den Stärken dieser Inszenierung...
LIOBA BRAUN setzte mit ihrem eher hellen, aber charaktervoll farbigen Mezzo starke Akzente als Ortrud, sicher momentan eine ihrer besten Rollen im Wagner-Fach. Selbst die schwierigen „entweihten Götter“ gerieten noch klangvoll, und sie zeigte eindrucksvoll die vielen Facetten sowie die Verführungskunst der Friesenfürstin.
AXEL KOBER leitete das GEWANDHAUSORCHESTER, das nicht zuletzt durch eine sehr tiefe Lage im Graben einen pastosen und runden Ton entwickelte, der bestens mit dem
romantischen Geschehen auf der Bühne harmonierte. Schon im Orchestervorspiel wurde deutlich, dass es Kober um viel Transparenz und lyrische Facetten ging, was von der guten Akustik des Hauses begünstigt wurde.
Klaus Billand, Der Neue Merker, Wien (www.der-neue-merker.eu
Fesselnder Lohengrin
...vor allem musikalisch war dieser Lohengrin ein fesselndes Eriegnis...Clemens Bieber in der der Titelpartie bezauberte als warmer, mehr lyrischer Tenor, der zu Herzen ging. Marion Ammann war als Elsa mit modulationsfähigem, ausdrucksstarkem Sopran stimmlich exzellent und darüberhinaus eine Augenweide. Als Ortrud klang Yumi Koyami stellenweise in der Höhe etwas schrill. Bühnenpräsent wie gewohnt und mit voluminösem Bass Hans Sotin und auch Jukka Rasilainen
13.6.2010 nachrichten.at