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Nun will ich jubeln

Gala-Abend mit der Richard-Strauss-Oper "Die Frau ohne Schatten" im Badischen Staatstheater in Karlsruhe und vier Gästen

...In Karlsruhe...geniesst diese Oper seit 30 Jahren Kultstatus und versetzt das Publikum immer wieder in Begeisterung. So auch am Samstag bei der Gala-Aufführung der im Oktober 07 herausgebrachten Neuinszenierung von R. Tannenbaum.

Straussens umfangreichste Partitur wurde in allen Facetten zum Leuchten gebracht und mit gewaltigem Ausdruck erfüllt. Es war eine hochdramatische, von schier berstender Spannung erfüllte Wiedergabe.

Ein stimmgewaltiger, auch in der hohen Lage jeden Ton prächtig aussingender und modulierender Kaiser war Lance Ryan aus dem Karlsruher Ensemble, der sich einmal mehr als Heldentenor von Rang präsentierte.

Marion Ammann als Kaiserin glänzte ebenso durch eine strahlende Höhe sowie durch eine faszinierende Verbindung von Klarheit und Leichtigkeit der Tongebung mit bewegender Intensität und Stärke im Ausdruck. Zudem hatte ihr Rollenportrait eine packende Ausstrahlung, ganz wie sie der Bedeutung dieser Rolle in der Oper zukommt.

Da auch die Färberin von Janice Baird durch eine eher helle und jugendliche Stimmfarbe gekennzeichnet war, kamen sich die beiden weiblichen Hauptrollen in ihrer Anmutung und Wirkung sehr nahe, was gewiss im Sinne der Autoren ist...Franz Grundheber gehört im Baritonfach zu den grossen Sängern unserer Zeit. Als Barak bewies er in Karlsruhe, warum dies so ist..."Nun will ich jubeln, wie keiner gejubelt..." singt Barak im Schluss-Quartett. Das von der Aufführung enthusiasmierte Publikum im Staatstheater tat es ihm nach.


Die Rheinpfalz rg 3.8.2008

 

Gala und Fest zugleich

die immensen Ansprüche von Richard Straussens Festoper konnten bereits von der weitgehend hauseigenen und weniger prominenten Besetzung in durchgängig hoher Qualität erfüllt werden, sodass für herausragende Repertoire-Vorstellungen gesorgt war. Welche Steigerung könnte da eine Gala mit namhaften Gästen überhaupt noch bringen mochte sich mancher im Vorfeld fragen und im Laufe und erst recht nach der Aufführung feststellen, dass selbst Höhepunkte in mancherlei Hinsicht noch zu toppen sind.

An dieser ganz besonders ereignisreichen Wiedergabe hatten alle 5 Protagonisten ebenso ihren Anteil wie das bewährte Ensemble in den kleineren Rollen und die unter solchen Gegebenheiten noch einen Zahn zulegend Baadische Staatskapelle...

Ihre grösste Ueberraschung vermittelte diese Aufführung in der Gestalt der für die angekündigte Danielle Halbwachs eingesprungene Marion Ammann. Trotz einer schon beachtlichen internationalen Karriere an bedeutenden Häusern dürfte sie bis heute ein Geheimtipp geblieben sein. Die Kaiserin dieses Abends müsste indes eine Initialzündung für grössere Bekanntheit sein, mit soviel Ausdrucks- und Spiel-Emphase, völlig schlackenlosen stimmlichen Mitteln vom feinsten Hauch über leichte Koloratur bis zu den an Strahlkraft überwältigenden Ausbrüchen des "Verderbens" und der "Schwelle des Todes" vermittelte sie die inneren Kämpfe und Ueberwindungen der Tochter des Geisterfürsten.

Dies tat auf furiose Art auch Janice Baird...Als Barak verblüffte der über 70-jährige Franz Grundheber mit der ungebrochenen Vitalität seines edlen, schön und sauber geführten, in allen Lagen ohne Einbussen tragenden Baritons...Ein bewegendes Rollenportrait, das einen gleichermassen mitleiden und mitjubeln liess...

Ob einer solchen in jeder Beziehung Gala-würdigen Festaufführung musste sich das Publikum folgerichtig in anhaltenden Bravo-Orkanen Luft machen. Wie schön, dass doch nicht nur Fussball die Menschen in Euphorie setzen kann.

Merker 07 2008 Udo Klebes

 

Rundum begeisternd

...Eine weitgehend überzeugende Arbeit des Regisseurs R. Tannenbaum, die nun bei der letzten Operngala der Spielzeit durch vier grandiose Gäste zusätzlich geadelt wurde. Mit Janice Baird hatte man eine der führenden Hochdramatischen unserer Zeit eingeladen, die der Färberin eine durchschlagskräftigen, in allen Lagen souveränen Sopran lieh...Susan Maclean wurde bereits in Mannheim als Amme gefeiert, den dortigen Lobeshymnen bleibt kaum etwas hinzuzufügen...

Eine ideale Verkörperung war auch Marion Ammann, deren Kaiserin mit einem überaus sicheren, schön timbrierten Sopran, einer fast jugendlichen Erscheinung und einer durchdachten Textgestaltung begeisterte...Eine rundum begeisternde Aufführung, die mit kaum enden wollendem Beifall gefeiert wurde.

BNN Manfred Kraft 30.6.2008